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Zur FotobuchsoftwareHerbert August Oberhaus
geboren am 12. September 1929
in Dienheim
gestorben am 3. Februar 2026
in Rüsselsheim
Dipl. Ingenieur Herbert Oberhaus ist am 3. Februar 2026 friedlich in seinem Zuhause in Rüsselsheim eingeschlafen. Er wurde 96 Jahre alt.
Ein Leben zwischen zwei Welten
Am 12. September 1929 wurde Herbert in Dienheim am Rhein geboren – wenige Wochen vor dem Schwarzen Freitag, der die Welt in die Weltwirtschaftskrise stürzte. Als einziger Sohn des Winzers Philipp II. und seiner Frau Elisabeth wuchs er mit den Schwestern Elisabeth, Melitta und Gretel in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Er half dem Vater nachmittags oft im Weinberg, doch schon früh stand für den Jungen fest: „Im Wingert will ich später nicht arbeiten!" Er träumte von größeren Horizonten.
Seine Jugend wurde vom Zweiten Weltkrieg überschattet. 1943 kam er erstmals mit der Segelfliegerei in Berührung – er half im Nachbarort beim Bau von Schulgleitern "SG38" aus Holz und lernte im Odenwald die ersten Segelflugmanöver. 1944 musste der 15-Jährige selbst in den Krieg ziehen. Anfang 1945 wurde er am Westwall verwundet und erlebte das Kriegsende zuhause. Sein Flugbuch von 1943 ging in den letzten Kriegstagen verloren, was er zeitlebens bedauerte.
Der Weg zum Ingenieur
Nach dem Krieg ging es zurück in die Schule. Großvater Philipp I. zahlte das Schulgeld, damit „der Bub auf die höhere Schule nach Oppenheim gehen kann". Um sich etwas Geld dazuzuverdienen, spielte Herbert Tuba im örtlichen Musikverein und Schlagzeug in einer Tanzband – Musik wurde zeitlebens eine seiner großen Leidenschaften. Später brachte er sich auch Mundharmonika und Ziehharmonika selbst bei, und kein Familienfest endete, ohne dass er ein paar heimatliche Melodien zum Besten gab.
Nach dem Abitur 1948 begann Herbert die Lehre zum Maschinenschlosser, zunächst bei Fa. Hirth in Mainz, ab April 1949 bei Opel in Rüsselsheim. 1951 schloss er erfolgreich ab und begann mit Unterstützung eines Opel-Stipendiums das Maschinenbaustudium an der TH Darmstadt.
1956, nach seinem Diplom, begann seine beeindruckende Laufbahn bei Opel. Über vier Jahrzehnte prägte er die Fahrwerks- und Fahrzeugentwicklung des Unternehmens mit seinem unerschütterlichen Optimismus und seinen legendären Mottos: „Geht nicht, gibt's nicht!", „More than expected" und „Sei begeistert!" waren mehr als Sprüche – sie waren seine Lebenshaltung. Als Pionier der Dehnungsmessstreifen-Technik und innovativer Testmethoden wurde er zum „Chassis Guy", dessen Handschrift vom A-Kadett bis zum Calibra in nahezu jedem Opel-Modell zu finden war. Er liebte Autos und schnelles Fahren. Die bewegenden Details seiner beruflichen Stationen sind im Nachruf der Opel Post nachzulesen: opelpost.com/02/2026/zum-tod-von-herbert-oberhaus
Familie – sein größter Reichtum
Während die Karriere Fahrt aufnahm, wuchs auch die Familie. Die junge Frau, seit 1949 an seiner Seite, wurde 1954 zu „seiner Henny" – eine Ehe, die 68 Jahre halten sollte. Im gleichen Jahr kam Sohn Michael zur Welt. Die junge Familie lebte zunächst bei Hennys Eltern in Oppenheim, später im Dachgeschoss seiner Eltern in Dienheim. Dort wurde die Tochter Stephanie geboren. Nach dem Umzug nach Rüsselsheim folgten Annette und Ulrike, danach – mit etwas Abstand zu den Geschwistern – Sohn Peter, den Herbert liebevoll als „Spätlese" bezeichnete.
Das Haus im Semmelweisweg hatte Herbert mit entworfen. Mit akribischer Genauigkeit baute er ein detailliertes Modell aus Balsaholz, an dem er mit einer Taschenlampe den Lichteinfall durch die damals außergewöhnlichen Oberlicht-Fenster simulierte. Modellbau war eine seiner Leidenschaften – bereits Jahre zuvor hatte er ein motorisiertes Flugzeugmodell samt selbstgebauter Fernsteuerung konstruiert. Der Küchentisch war für Monate belegt...
Mit fünf Kindern und anspruchsvollem Job blieb für die große Leidenschaft – das Fliegen – jahrzehntelang keine Zeit. Stattdessen segelte er gerne, und die kleine Hütte am Baggersee hinter Geinsheim wurde zur zweiten Heimat. Auch diese hatte Herbert natürlich selbst entworfen und gebaut.
Der Traum vom Fliegen
1991 ging Herbert bei Opel in den Ruhestand. Doch das Ende bei Opel war noch nicht das Ende seiner beruflichen Reise. Er unterstützte Zulieferer mit seiner Expertise, bevor 1992 eine überraschende Wendung kam: Auf Wunsch von Ignacio López, dem damals bei Zulieferern gefürchteten Chef der GM-Einkaufsorganisation, zog das Ehepaar nach Michigan. „Herb", wie man ihn in Amerika nannte, wurde Consultant – das Bindeglied zwischen der globalen Einkaufsorganisation und der ihm wohlbekannten technischen Entwicklung. Er war stolz auf die Erfolge seines Teams: Hunderte Fahrzeugkomponenten wurden standardisiert, Kosten gesenkt, leider oft auch zu Lasten der Qualität, was später als "Lopez-Effekt" benannt wurde.
Als López 1993 zum Konkurrenten Volkswagen wechselte, blieb Herbert seinem Grundsatz treu: Loyalität zählte für ihn mehr als alles andere. Er blieb GM treu und arbeitete bis 1996 an verschiedenen Projekten – besonders die Entwicklung neuer Methoden zur kostengünstigen Magnesiumgewinnung faszinierte ihn. Ein kurzer Abstecher als CEO zu einem kanadischen Hersteller von Sportflugzeugen – eigentlich sein Traumjob – endete nach wenigen Monaten aus persönlichen Gründen. 1997 begann dann tatsächlich der Ruhestand.
Die Jahre in Michigan waren auch für Henny eine besondere Zeit. Im „International Coffee Club" fand sie neue Freundinnen und beschrieb diese Zeit später als „unsere besten Jahre". Und Herbert erfüllte sich endlich seinen Jugendtraum: Mit 68 Jahren machte er 1997 seine Sportpiloten-Lizenz. Der Junge, der 1943 im Odenwald das Segelfliegen gelernt hatte, saß wieder am Steuer.
Die letzten Jahre
Zurück in Rüsselsheim Ende der 90er Jahre widmete sich Herbert Haus und Garten sowie der wachsenden Familie mit damals fünf Enkelkindern. Ein Ferienhäuschen im Hunsrück bot Natur, Abgeschiedenheit und die Nachbarschaft zum langjährigen Opel-Kameraden und engen Freund Werner Kleinstück.
Aus der Liebe zur Familie zog er seine Energie und Lebensfreude. Als seine geliebte Henny 2022 starb, brach etwas in ihm. Dennoch freute er sich, wenn die Kinder und insbesondere die Enkelinnen Alana und Jessika mit den fünf Urenkelkindern vorbeikamen und „Leben in die Bude brachten". Dann holte er auch gerne die Mundharmonika heraus.
Sein außergewöhnliches und erfülltes Leben war geprägt von grenzenlosem Optimismus, Herzlichkeit, Neugier und dem unermüdlichen Drang nach Innovation. Die Musik begleitete ihn durchs Leben – ob mit der Tuba im Musikverein, am Schlagzeug in der Tanzband oder mit Mundharmonika und Ziehharmonika bei Familienfesten. Halt fand er in der Familie und in der katholischen Kirche – auch wenn er nicht immer deren Meinung war. „Geht nicht, gibt's nicht!" – nach diesem Motto lebte er bis zuletzt.
Abschied und Gedenken
Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am 24. Februar 2026 um 15 Uhr auf dem Waldfriedhof Rüsselsheim statt.
Im Anschluss – ab 16:30 Uhr – lädt die Familie Freunde und Wegbegleiter zum „Last Meeting mit H. Oberhaus" in die Werkhalle ein (Elisabethenstr. 10, Rüsselsheim).
Eine Anmeldung ist nicht zwingend erforderlich, hilft aber bei der Planung: HOLM@ober-x.com
Statt Blumen bitten wir um eine Spende an die Bärenherz Stiftung für schwerstkranke Kinder:
Wiesbadener Volksbank
IBAN: DE07 5109 0000 0000 0707 00
Kennwort: Herbert Oberhaus